December 31, 2009
Einen guten Rutsch!
Ein netter Wunsch, aber woher kommt der Ausdruck eigentlich?
Meine jüngsten Erkenntnisse: Laut BVG-Journal (Berliner Verkehrsbetriebe) kommt der Wunsch aus dem Jiddischen (”Einen guten Jahresanfang”) , laut der Sendung mit der Maus aus dem Deutschen von Rutsch gleich Reise.
Wikipedia stellt fest, daß der Wunsch seit ca. 1900 nachweisbar ist und gibt beide Möglichkeiten an.
Ohne eindeutige Lösung wünschen wir einfach “Einen guten Beschluß”*.
* Das ist der in Unterfranken (wo wir 6 Jahre gearbeitet und gewohnt haben) übliche Neujahrsgruß, wobei Beschluß einfach Abschluß, Ende des alten Jahres bedeutet. Immerhin über 700.000 Findungen bei Google.
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March 16, 2009
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July 11, 2008
Was heißt „Adam“?
oder
Was sind jahrhundertealte Übersetzungen wert?
Viele uralte Fehlübersetzungen kennen wir. Sie sind uns vertraut, und daher lieben wir sie auch.
Das fängt schon beim „Adam“ in der Bibel an, der eigentlich nicht Adam heißt, sondern „Mensch aus Lehm“, nicht auf ein Geschlecht festgelegt.
Geht weiter mit „Eva“, eigentlich nicht „Rippe“, sondern „Seite“, also schon ein bedeutender Teil des Körpers.
Auch „Schau mir in die Augen, Kleines“ aus „Casablanca“ ist eine klassische Fehlübersetzung, denn das Original „Here’s looking at you, kid“ ist nichts anderes als ein Trinkspruch.
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June 16, 2008
Wir sind gewöhnt, daß wir fremdsprachliche Filme auf Deutsch hören können.
Die Untertitelung von Filmen dagegen hat in Deutschland wenig Tradition.
Untertiteln ist zwar auch Übersetzen, aber eine ganz spezielle Form.
Keinesfalls darf alles übersetzt werden, was im Film gesprochen wird. So viel schriftliche Information kann ein Zuschauer niemals aufnehmen, will er der Filmhandlung noch folgen. Untertitel müssen also wesentlich kürzer sein als eine normale oder gar „wörtliche Übersetzung“. Nur ca. 3 Sekunden hat der Zuschauer zum Lesen eines Untertitels zur Verfügung.
Natürlich hängen Länge und Aufeinanderfolge der Untertitel von der Art des Films ab, also von der Sprechgeschwindigkeit des Ausgangsfilms und den Sehgewohnheiten des Ziellands. In skandinavischen Ländern beispielsweise ist man_frau an schnellere Unertitelungen gewöhnt, weil einfach keine Filme synchronisiert werden, sondern jede_r von Anfang an mit Untertiteln lebt.
Auch wenn vom Ausgangstext weniger übrigbleibt, geht Untertitelung über reines Übersetzen hinaus, läßt aber dem Übersetzer viele Freiheiten.
June 15, 2008
Sie stand für mich im Zeichen von Sprache und Übersetzung.
Anlaufstelle war also die Humboldt-Universität.

Zum Einstieg die „Religiösen Orte Zugewanderter in Berlin“ aus einer Projektarbeit von Studenten. Noch, und es warten schon mehrere Personen auf den Film, wird draußen an Postern geklebt, Plakate werden aufgehängt, es wird über die Plazierung diskutiert, vier Student_inn_en besprechen, mit welcher Farbe die aufgeklebten Textbausteine und Fotos am besten umrandet werden sollen. Mehrere Personen laufen ziellos durch den Raum und strahlen technische Hilflosigkeit aus. Nach einer halben Stunde läuft der Laptop mit dem Beamer und den Lautsprechern zusammen.
Es ist wohl so, daß fast alle fremden Religionsgemeinschaften sehr aufgeschlossen sind, wenn sich Deutsche für Ihren Glauben und ihre Riten interessieren, selbst wenn größere Studentengruppen zu Besuch kommen.
Der Film ist das Ergebnis eines Studienprojekts. Diese Projektreihe wird auch in diesem Jahr fortgeführt, und die Zwischenergebnisse werden dann sehr engagiert und kenntnisreich von den Student_inn_en anhand der Plakate vorgestellt.
June 13, 2008
Wer schon immer wissen wollte, wie das geht, daß SimultandolmetscherInnen gleichzeitig hören und sprechen, und das sinnvoll in einer Fremdsprache, oder was der Computer einer ÜbersetzerIn können muß und warum ein Computer nicht alles ist, sollte am Sonnabend zur Humboldt-Universität am August-Bebel-Platz gehen.
Die Lange Nacht der Wissenschaften (Suche -> Sprach- und Literaturwissenschaft) bietet ein abwechslungsreiches Programm rund um Sprache und Literatur.
Die beste Gelegenheit für Einblicke in fremde Berufs- und Lebenswelten!
April 25, 2008
Trotz der leichten Verfügbarkeit von Informationen im Internet verlasse ich mich immer noch am liebsten auf Gedrucktes. Nicht zuletzt deswegen, weil Wörtersammlungen im Internet selten so sorgfältig recherchiert sind wie etablierte Wörterbücher in Papierform.

Schreibtisch, repräsentativ
Ganz wichtig: eigene Wörtersammlungen und Terminologielisten von Kunden.

Karteikarten von vor 50 Jahren, immer noch in Gebrauch
April 24, 2008
Die Aussage “Das ist jedesmal wie eine Prüfung” kann ich nur unterschreiben.
Ich bin vor jedem Dolmetscheinsatz sehr nervös, auch wenn es eigentlich nur eine “kleine” Sache ist, z. B. eine Zeugenbefragung vor Gericht oder eine Vernehmung bei der Polizei. Dabei werden Personen gedolmetscht, die in normaler Alltagssprache Abläufe oder Geschehnisse wiedergeben. Die Dolmetscherin kann rückfragen, klären, erläutern.
Etwas anderes sind ausgearbeitete Vorträge. Hier wird lange am Text gefeilt, damit jedes Wort sitzt. Hier ist Präzision gefragt, die Wirkung des Redners muß im ersten und einzigen Anlauf erhalten bleiben.
Ich bin jedesmal vorher nervös, sogar extrem nervös. Ich weiß aber auch, daß die Nervosität wie weggeblasen ist, sobald ich die ersten Worte sage.
Eine ausführliche Vorbereitung hilft mir auf jeden Fall dabei, ruhiger in einen Termin zu gehen. Egal, wie aufwendig oder hoch aufgehängt er ist.
Fachkenntnisse sind auch beim Dolmetschen entscheidend. Es geht ganz einfach darum: Wenn frau sich auf einem Gebiet auskennt oder zumindest Ahnung hat, wird sie nicht so leicht aus der Fassung gebracht durch das, was der Redner gerade erzählt.
Wieder eine Germersheimer Weisheit: Dolmetscherinnen brauchen eine „solide Halbbildung“. Sie müssen also von allem oder möglichst vielem schon mal gehört haben. Detailkenntnisse sind besser, aber Hauptsache, frau kennt die Zusammenhänge. Und weiß, in welche Richtung der Redner argumentiert. Das gibt Sicherheit.
Von Kundenseite trifft frau dabei nicht immer auf Verständnis. Häufig wird als gegeben angenommen, daß eine Dolmetscherin in ihren Sprachen einfach alles kann und weiß.
Dem kann frau nur entgegenhalten, daß wohl niemand auch nur in seiner Muttersprache alle Fachgebiete beherrscht oder die Fachbegriffe erläutern, korrekt verwenden oder auch nur verstehen kann.
Häufige Antworten:
„Das ist doch nur das Grußwort.“
„Das ist alles ganz allgemein.“
„Das ist überhaupt nicht fachlich.“
„Die Rede ist noch nicht fertig.“
oder auch:
„Der Redner ist so hochkarätig, den können wir nicht nach seinem Manuskript fragen.“
Ich meine, jeder Redner hat das Recht, optimal übertragen zu werden. Gewissenhafte, professionelle Vorbereitung der Dolmetscherinnen ist dafür die beste Gewähr.
April 21, 2008
Einer meiner Kunden hat eine Dolmetschkabine bauen lassen.Es handelt sich um ein mittelständisches Unternehmen, das hochwertige Produkte herstellt und ein weltweites Vertriebsnetz unterhält. Einmal im Jahr findet ein Außendienstlertreffen statt, das gedolmetscht wird, weil nicht alle Teilnehmer ausreichend Deutsch verstehen.
Zweimal waren wir in einem historischen Gebäude, wo der Dolmetscherinnenplatz in einem Nebenraum war, die Verbindungsöffnung war durch eine Plexiglas-Scheibe abgetrennt.
Einmal fand die Veranstaltung in einem wirklich tollen Ambiente in einem kleinen Barockschloß statt. Der Raum allerdings war eine akustische Katastrophe, auch weil keinerlei Dolmetschtechnik bereitstand.
Dann wurde das Treffen zweimal in einem Businesshotel abgehalten, wo die Dolmetscherin hinter einer Trennwand platziert war, allerdings mit Sichtkontakt zum Vortragenden.
Für mich als Dolmetscherin war das wunderbar, aber in diesem Jahr wurde ein anderer Veranstaltungsort gewählt.Wieder ein historisches Ambiente, was ich sehr schätze, und dieses Mal hat der Kunde sogar eine Dolmetschkabine bauen lassen.

Ich glaube, das ist nach einer professionellen, fest eingebauten Kabine das zweitbeste, was sich eine Dolmetscherin nur wünschen kann.
Der Kunde wollte mich vor allen äußeren Störungen schützen, ich war eher besorgt, daß die Zuhörer mich nicht direkt hören können.

Die Dolmetschkabine war nicht ganz schalldicht, aber wir haben uns bemüht, dem vor Ort noch abzuhelfen. Auch wenn die Laken (Leihgabe des Hotels) nicht sehr professionell wirken, sie haben auf jeden Fall den Schall gedämpft und für mich eine angenehmere Sprechsituation geschaffen. Zum Glück ist die Konstruktion modular aufgebaut, so daß für das nächste Jahr einfach ein Dach oder Deckel nachgerüstet werden kann.
Hätte man mich vorher gefragt, ich hätte mir keine durchgehende Frontscheibe gewünscht (ja, ich gehöre zu den Dolmetscherinnen, die sich bei einem längeren Einsatz in der Kabine die Schuhe ausziehen und am liebsten bequem auf dem Stuhl hängen). Auch wäre mir farbloses Glas lieber gewesen als eine Rauchglasscheibe, aber die Präsentationen werden ja auf dem Laptop eingespielt, also kein Problem.

Alles in allem ein Kunde, der sich wirklich Gedanken macht. Auch in anderer Hinsicht ein vorbildlicher Kunde, aber das fällt unter das Thema „Vorbereitung“.

Das Bild ist gestellt, aber die anderen waren alle unscharf.