Es gibt immer wieder Nachfrager nach Übersetzungsleistungen mit wenig oder gar keiner Erfahrung hinsichtlich des angemessenes Preises einer Übersetzung. Dies drückt sich dann in Fragen aus wie: “Was kostet bei Ihnen eine Übersetzung?” Ich frage mich dann immer, ob die Betreffenden auch in einen Weinladen gehen würden und fragen “Was kostet bei Ihnen eine Flasche Wein?” Andere sind vermeintlich konkreter und fragen nach dem Zeilenpreis ohne nähere Konkretisierung, welche Leistungen der Preis umfaßt oder auf welche Textart er sich bezieht. Andere gehen davon aus, daß alle DTP-Leistungen im Preis enthalten sind. Hier stellt sich die Frage, welchen Teil der Leistung sie umsonst haben wollen, die Übersetzung oder das Desktop Publishing. Der Nachfrager nach Übersetzungsleistungen wird, wenn er nur nach dem Zeilenpreis fragt, sehr schnell eine große Differenz bemerken. Es gibt Übersetzer-Anbieter mit einem Zeilenpreis von 0,70 €, andere fangen unter 1,45 € überhaupt nicht an.
Dem unerfahrenen Nachfrager nach Übersetzungsleistungen ist meist nicht bewußt, die Anbieter mit höherer Preisstruktur sind meist die am Markt erfolgreich agierenden Unternehmen. Wie kommt dies? Zunächst kann jede Person mit der Einschätzung, sie sei sprachbegabt, Übersetzerleistungen anbieten. Gleichzeitig kann Übersetzen in einem achtsemestrigen Universitätsstudium studiert werden, aber um wirklich qualifizierte Übersetzungen erstellen zu können, braucht es noch mehrjährige intensive Berufserfahrung in verschiedenen Anwendungsfeldern. Kein Autoschrauber käme auf die Idee, sich als Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik anzubieten.
Ein weiterer Grund ist meiner Meinung nach die Unsicherheit darüber, was eine gute Übersetzung ist. Eine äußerst schlechte Übersetzung wird leicht erkannt, zumindest der durchschnittlich sprachgewandte Nutzer erkennt grobe Orthographiefehler, verquere Stilistik oder falsche Grammatik. Es wird auch für jeden nachvollziehbar sein, solche Übersetzungen sind keinen Preis wert.
Eine gute Übersetzung gibt Fachbegriffe korrekt wieder, sie wendet eine zielgruppengerechte Sprache an, sie ist den Kundenanforderungen angemessen, sie ist gut lesbar und verständlich für die jeweiligen Adressaten und transformiert die Intentionen des Authors.
Diese Auflistung verdeutlicht, daß die Anforderungen an eine Übersetzung stark variieren können, es variieren aber auch die Anforderungen an den Übersetzer. Diese Anforderungen drücken sich nicht nur in unterschiedlichem Zeitbedarf zur Übersetzung eines Textes aus. Das Instrumentarium eines Übersetzers kann Terminologiedatenbanken, Lexika, Wörterlisten, Translation Software (CAT-Tools) in großer Vielzahl umfassen, oder er bedient sich einiger Internet-Wörterbücher wie Leo - hilfreiche Instrumente, jedoch keineswegs ausreichend. Gut ausgerüstete Übersetzer können Texte in in allen verfügbaren Dateiformaten erstellen. Ich denke, jetzt wird langsam deutlich, daß die bloße Nennung des Zeilenpreises keine Auskunft darüber gibt, welche Kosten mit der Übersetzung verbunden sind.
Wenn Sie eine Übersetzung in Auftrag geben wollen, schauen Sie sich die Texte des Übersetzers an. Ein Blick auf die Webseite des Übersetzers bzw. des Übersetzerbüros gibt schon eine erste Auskunft über die sprachliche und fremdsprachliche Kompetenz.
Zu guter Letzt noch einige Hinweise zum Nachdenken. Warum wird ein Porsche nicht zum Preis eines Seat oder eines vergleichbares Kleinwagens verkauft? Würden Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen jemand ein Auto zur Hälfte des marktüblichen Preises anbieten würde, wären Sie da nicht mißtrauisch, ob das Auto nicht irgendeinen Mangel hat? Bei Übersetzungen sollten Sie sich die gleichen Geanken machen, manchmal haben die billigen Übersetzungen ihre Begründung im Mangel. Wir, die Betreiber dieses Blogs, streben ein faires partnerschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden, langfristige Zusammenarbeit mit dem Ziel des beiderseitigen Erfolgs.
Gestern bin ich wieder einmal in einem Übersetzungsforum über das Diskussionsthema Preise gestolpert. Wie meist in den Übersetzerforen wurde über die Schlechtigkeit der Welt geklagt, die die Übersetzer nicht gebührend beachtet. Eine Welt voller sprachlicher Deppen, welche noch nicht einmal schlechte Übersetzungen erkennen und nur Billiganbieter beauftragen. Eine Welt mit so vielen Übersetzern, wobei tendenziell die anderen immer die Schlechteren sind, aber immer die Aufträge bekommen. Eine Welt voller böswilliger Übersetzer-Agenturen, die den einzelnen freiberuflichen Übersetzer drangsalieren mit zu hohen Anforderungen und zu niedriger Entlohnung.
Was macht die Übersetzerin oder der Übersetzer, er sitzt wie das Kaninchen vor der Schlange, starr und unbeweglich und wartet darauf, gefressen zu werden. Klugerweise diskutiert der und die Übersetzerin auch nicht unter dem Etikett Preisbildung oder Preisfindung, sondern unter Preisverfall. Dann wundert sich die Übersetzerin über die potentiellen Kunden, welche am Preisverfall partizipieren wollen. Schon mal darüber nachgedacht warum Marken wie Mercedes, BMW nie über zu niedrige Preise reden, sondern das Image des Hochwertigen pflegen?
Lieber, hier lesender potentieller Kunde von uns, es sei Dir berichtet, wir sind mit unsereren erzielten Preisen zufrieden, wir sind überzeugt, qualitativ hochwertige, zielgruppengerechte Translationsleistungen für Übersetzungen und Dolmetschen zu liefern. Wir sind überzeugt davon, unsere Leistungen sind ihren Preis wert, und wir sind davon überzeugt, viele Billig-Angebote sind ihren Preis nicht wert, oder, anders herum ausgedrückt, der Preis drückt den Wert der Qualität der Leistungen aus. Es gibt auch zufällige, sozusagen glückliche Ausnahmen, aber wollen Sie ihre Geschäftspoltik den Regeln oder besser gesagt dem Chaos des Glückspiels unterwerfen?
Zurück zu den Übersetzern, wie überall gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Erfolg oder für das Angebot seiner Leistungen. Bei der Konzentration auf einige wenige Abnehmer, seien es Direktkunden oder Agenturen, entstehen geringere Kosten, es gibt weniger “Stress”, die Übersetzerin hat ein geruhsameres Leben, aber ist der Preispoltik der wenigen Leistungsabnehmer mehr oder weniger ausgeliefert - der Übersetzer wird zum Kaninchen. Offensive Preisgestaltung bedingt offensives Marktverhalten. Präsent sein auf dem Markt, sich beziehungsweisde sein Angebot zeigen. Wem das zu nuttig ist, muß Kaninchen bleiben.
Es genügt jedoch nicht, sich nur auf dem Markt zu zeigen, es gilt sich zielgruppengerecht und dem eigenen Können entsprechend zu positionieren. Der potentielle Kunde muß überzeugt sein, hier hat er den schon immer gesuchten Anbieter gefunden, und dies muß sich in den ersten Aufträgen bestätigen. Dann ist eine für beide Seiten eine langfristige, vertrauensvolle, fruchtbare Zusammenarbeit sicher.
Früher, vor den Zeiten des Internets, die soll es ja auch gegeben haben, war Akquisition eine mühevolle, zeitraubende, kostenintensive Angelegenheit. Mailings, Messe- und Tagungsbesuche oder der Beitritt in den örtlichen Karnevalsverein in den rheinischen Regionen, anderswo in den Tennisclub, den Golfclub, den Ruderclub, die Freunde und Förderer von XXX waren notwendig, um Kontakte zu generieren. Viele dieser Maßnahmen hatten Ihre Schranken in der individuellen persönlichen Kondition (und man war immer der Gefahr der Fettleibigkeit und Trunksucht ausgesetzt) oder waren regional beziehungsweise lokal begrenzt. Heute im Zeitalter des Internets hat jeder die Möglichkeit, sich mit Hilfe einer Website, mit Hilfe von Suchmaschinenoptimierung global mit all seinen Vorzügen und Möglichkeiten zu präsentieren.
Von Internetmarketing, Suchmaschinenoptimierung noch nie etwas gehört? Das muß kein Problem sein, wir können zum Beispiel diese Adresse hier mit Übersetzungshintergrund für gutes und nachvollziehbares Optimiern von Webseiten empfehlen. In absehbarer Zeit sollte Nachfrage nach den angebotenen Leistungen entstehen, und es werden sich schon aufgrund der Wahlmöglichkeiten dann Kundenbeziehungen finden lassen, die durch gegenseitige Akzeptanz geprägt sind. Kunden sollten Partner sein, und bei einer partnerschaftlichen Beziehung sollte keiner der Beteiligten das Gefühl haben, über den Tisch gezogen zu werden, sonst wird schnell das Trennende überwiegen. Wenn die Fluktation der Kunden sehr hoch ist, sollte das eigene Leistungsprofil überprüft und gegebenfalls korrigiert werden. In diesem Sinne viel Erfolg bei der Akquisition.
Zum ersten Mal war ich so richtig mit meinem Vortrag zufrieden. Anhand der Notizen fast frei vorgetragen bzw. anhand der Folien erläutert, dabei alles weggelassen, was vorher nicht so interessant war, dafür die praxisrelevanten Teile hervorgehoben und vieles ergänzt, was an den vorherigen Tagen gefragt worden war. Man merkt ja anhand der Reaktion der Zuhörer recht deutlich, was interessiert, was ankommt und was eher langweilt.
Nachmittags bei der Praxisschulung habe ich eine Gruppe allein betreut, allerdings hat das nicht ganz funktioniert. Es ist schwierig, wenn gestandene Elektrotechniker mit Hilfe eines Computers an einem elektrotechnischen/elektronischen Problem arbeiten und sich dabei vollkommen verrennen, sprich, mit einem Programmmodul Werte prüfen möchten, die dieses Modul überhaupt nicht messen kann. Nur ungern nehmen manche dann den Rat oder die Kritik der Dolmetscherin an. Da konnte nur der Chefmonteur helfen. Auf ihn haben sie dann widerstrebend gehört, sich aber durch die Praxis überzeugen lassen.
Gern hört Dolmetscherin allerdings Lob wie das eines höherrangigen Reparaturmenschen, daß sie ja so viel von der Technik verstehe. Am siebenten Tag Schulung ist das allerdings kein Wunder, aber ich habe die Bemerkung zum Anlaß genommen, auf die Schwierigkeiten des Übersetzens und Dolmetschens hinzuweisen, daß es eben nicht ausreicht (oder nur selten gutgehen kann), nur das Vokabular zu kennen, daß man einfach auch wissen muß, wovon man spricht.
Den Rest des Tages habe ich touristisch verbracht, weil ich da noch nicht wußte, daß ein eiliger Auftrag ansteht. Aber das «Berliner Büro» hat alles im Griff. Vielleicht bleibe ich ja noch länger hier!
(Anmerkung aus dem Berliner Büro: Dies hier entspricht nicht der professionell definierten Rolle des Dolmetschers, diese Rolle ist durch völlige Neutralität gegenüber der Kommunikation der zu Dolmetschenden und ihren Handlungen geprägt. Die Praxis erfordert oft anderes, und der Kunde wäre hier bei Rückzug auf Neutralität gar nicht begeistert. Es gibt auch andere Fälle, dort wird jede Klärung eines Sachverhaltes durch den Dolmetscher nicht gerne gesehen, z. B. beim Notariatsdolmetschen.)
Es sei vorausgeschickt, was ich im Laufe der Schulung gelernt habe: Bei Schweizer Verkehrsbetrieben wird Sicherheit großgeschrieben. Es sind DREI Sicherungen vorgeschrieben, damit nicht die Tür eines Fahrzeugs geschlossen wird, wenn sich noch ein Fahrgast im Türbereich befindet.
Immerhin habe ich heute früh für Erheiterung der Schulungsteilnehmer gesorgt.
Ich habe einfach mal mein Wochenende beschrieben: Arbeit, Erkältung, und dann wollte ich einfach mal zwei Stunden Pause machen. Auf dem Weg zum See bin ich so nett, hinter einem Wagen langzugehen, der gerade aus einer Tiefgarage kommt und ging unter die schließende Schranke. Ich glaube, ich bin so halb zu Boden gegangen, mir tut nichts weh, aber eine Passantin kommt ganz besorgt angelaufen. Die Parkhausschranke hat mir auf den Kopf geschlagen und, vielleicht weil ich mich unbewußt wegwenden wollte, das rechte Jochbein getroffen. Sie ist ganz entsetzt: «Das blutet». Aus dem Hotel kommt sofort jemand angelaufen. Außer einer Beule auf dem Kopf und einem kleinen Kratzer im Gesicht fehlt mir aber nichts. Immerhin komme ich in den Genuß, mich in der Lobby (allerdings am Hintereingang, denn die Tiefgarage führt leider nicht nach vorn) des Grand Hotel Kempinski bei einem Glas Wasser vom Schreck erholen zu dürfen.
Meine neueste Disziplin: Intensivschminken des rechten Auges, denn es ist bereits jetzt auffallend blaurot.
Kommentar der Schulungsteilnehmer: «Die brauchen bessere Sensoren, wenn deren Schranken so gefährlich sind.»
Am Donnerstag noch habe ich mich im Spaß beschwert, ich hätte nicht genug zu dolmetschen, weil vieles von den Schweizern direkt auf Französisch abgehandelt wird. Ein gemumeltes «Morgen können Sie dann den zweiten Teil machen» macht Hoffnung.
Freitag nacht: Ich kann kaum schlafen, habe fürchterliche Halsschmerzen. Irgendwie habe ich so meine Schwierigkeiten mit dem Hotelzimmer. Die Luft ist trocken, es ist zu warm, wenn ich das Fenster aufmache, ist es schrecklich laut, auch nachts, außerdem kalt. Wenn ich die «Klimaanlage» einschalte, rattert und rauscht die Belüftung beängstigend, es zieht, und kalt ist auch auch, weil sie sich nicht regeln läßt, sondern nur ein- oder ausschalten.
Morgens bin ich nicht gerade fit, aber ich kann ja nicht mehr zurück.
Die Schulung findet im anderen Verkehrsdepot statt, ich muß also noch eine Viertelstunde früher losfahren. Immerhin bin ich so früh da, daß ich noch mal in die Cafeteria geschickt werde. Ich sehe wohl so aus, als hätte ich einen Kaffee nötig.
Ich stelle nach meinem allgemeinen Vortrag also auch das Computerprogramm auf Französisch vor. Wirklich gut unterstützt werde ich dabei vom Schweizer «Chefmonteur», der sich mit allen technischen Belangen der Sensoren gut auskennt. Immer wenn irgendwas unklar ist oder er etwas zu einzelnen Fahrzeugtypen ergänzen möchte (was ich natürlich nicht wissen kann), ergreift er das Wort. Manchmal wird es schwer für mich, überhaupt noch etwas einzuwerfen.
Auch nachmittags ist Arbeit angesagt. Für zwei Gruppen ist nur ein «Aufpasser» da. Ich übe also mit der zweiten Gruppe die Praxis anhand des Computerprogramms. Irgendwie geht das alles zu leicht. Ich erinnere mich, daß bei so schwierigen, weil großen, Fahrzeugen wie Straßenbahnen irgendetwas zu beachten war. Unsere Meßergebnisse sind zwar irgendwie eigenartig, aber das kann viele Ursachen haben. Wir führen die Abweichungen darauf zurück, daß wir nicht wirklich aus der Tür aussteigen und durch eine andere wieder einsteigen, um die Fahrgastzählung in der Praxis zu testen, weil die Straßenbahn eng von einem Gerüst umschlossen ist, über das man die Aufbauten auf dem Dach prüft, und so gar kein Platz zum Ein-und Aussteigen ist. Wir haben die Fahrgäste also mit einem Blatt Papier simuliert. Nachdem wir uns alle einig sind, daß das System hervorragend funktioniert, stellt sich heraus, daß wir gerade den entscheidenden Punkt übersehen haben. Soviel zur Praxistauglichkeit nicht von Übersetzerinnen im allgemeinen, sondern von mir im besonderen. An der Sprache hat es aber nicht gelegen! Ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig es ist, Ahnung von dem zu haben, was frau übersetzen oder dolmetschen soll!
Bei der Planung der Reise hatte ich die Wahl, über das Wochenede zurück nach Berlin zu fliegen oder in Genf zu bleiben. Natürlich habe ich mich für Genf entschieden. Und den Fehler gemacht, am Donnerstag laut festzustellen, daß irgendwie nicht genug andere Aufträge reinkommen.
Es passiert also, was passieren muß. Am Freitag kommen zwei Übersetzungen eines altgedienten Kunden und ein Auftrag eines neuen Kunden, eben des Unternehmens, für das ich in Genf bin.
Alle drei auf Englisch, wo alle Wörterbücher in Berlin liegen. Die Texte des Altkunden sind kein großes Problem, denn da kenne ich das Fachgebiet seit 20 Jahren, Wörtersuche und -klärung erfolgen problemlos per Internet und E-Mail.
Für den anderen Auftrag werde ich erst einmal eine Wörterliste anlegen. Einige freigegebene Übersetzungen technischer Dokumente liegen im Internet vor. Das ist umso wichtiger, als das Unternehmen in der Anfrage insbesondere die mangelnde Konsistenz der Terminologie externer Übersetzer bemängelt hat. Im Klartext: es ist gerade bei schwierigen technischen Zusammenhängen wie Elektronik und Computertechnik wichtig, daß jeder Fachbegriff immer mit demselben Wort in der Fremdsprache wiedergegeben wird. Nur so kann man sicherstellen, daß der Nutzer der Übersetzung nicht verwirrt wird, sondern sich auf seinen Text verlassen kann.
Das Wochenende in Genf war also dem Verhindern einer Erkältung, zwei Übersetzungen und dem Erstellen einer Wörterliste gewidmet.
Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt!
Die technischen Probleme einer Übersetzerin im Ausland werden demnächst geschildert.
Vom Dolmetschen nichts Neues.
Der Vortrag läuft immer besser, wird allerdings jeden Tag ad hoc verändert.
Weil ich inzwischen zwei Tage lang gesehen habe, welche Fehler die Monteure, Elektriker oder Mechaniker beim Durchgehen des Programms machen, konnte ich heute immerhin eine Stunde lang anhand der Dokumentation die Praxis einer Gruppe allein überwachen bzw. aufpassen, was das Team gemacht hat und auf Fehler hinweisen. Ehrlich gesagt, ich habe sie erst mal machen lassen und mich gefreut, wenn sie irgendwas im Ablauf übersehen haben und nach fünf Minuten nicht mehr weiter wußten.
Es wurde bereits zum zweiten Mal festgestellt, daß ich am Ende der 14 Tage einen Blaumann kriege und gleich dableiben darf, weil ich ja dann ja alles auswendig kann.
Die Schulung hier in Genf ist für die Mitarbeiter sehr intensiv. Ich könnte mir das bei einem deutschen Unternehmen nie so vorstellen.
Von deutscher Seite der Techniker und ich. Er nimmt allerdings auch fertige Fahrzeuge ab und repariert und baut ein, wenn kleinere Aufgaben anstehen. Heute war ein weiterer Monteur dabei, der aber noch mehrere Fahrzeuge fertigstellen mußte.
Von Schweizer Seite haben wir den Projektleiter, der früh den Einführungsvortrag hält, dann zwei „Cheftechniker“, die die Sensoren und die dazugehörige Software kennen und die Schulung am Nachmittag anleiten und vier bis fünf Monteure, die geschult werden. Nachmittags kommen also auf zwei, maximal drei Monteure/Elektriker ein Laptop mit allen Programmen, ein Schweizer Erklärer/Anleiter und insgesamt ein deutscher Techniker und eine Dolmetscherin.
Jeder Teilnehmer muß also das gesamte Praxisprogramm einmal durchlaufen. Das grenzt an Einzelunterricht!
Es ist natürlich klar, daß niemand alles im Gedächtnis behalten kann, was er an einem Tag lernt. Dafür gibt es außerordentlich ausführliche Handbücher bzw. Anleitungen. Und für besonders üble Probleme gibt es natürlich den Zweijahres-Service-Vertrag mit dem Hersteller.
Grundsätzlich ist der Dienstag wie der Montag verlaufen, aber die Veranstaltung hat pünktlich angefangen. Außerdem war mein Vortrag um Klassen besser als am Vortrag. Allerdings habe ich auch am Vorabend noch einmal an meinem Text gearbeitet.
Zeit also, die Umstände dieses Dolmetschens zu beschreiben.
Mein Kunde ist ein kleines Elektronikunternehmen aus Berlin, das Sensoren herstellt, die weltweit in der Fahrzeug- und Haustechnik eingesetzt werden. In Genf werden die Monteure des Endkunden, eines öfffentlichen Verkehrsunternehmens, geschult, die die Fahrzeuge reparieren und daher in der Lage sein müssen, auf die Meldung eines Fahrers hin „Das funktioniert nicht mehr“, den Fehler zu finden und zu beheben, und sei es durch Austausch und Einsenden der defekten Komponenten.
Ort: Ein Depot eines Verkehrsunternehmens. Eine riesige Wagenhalle, in der Busse und O-Busse gewartet, repariert und gewaschen werden. Größen kann ich nicht schätzen, aber es sind Plätze für mehr als 200 lange Gelenkbusse vorhanden, natürlich mit den erforderlichen An- und Abfahrtsflächen für diese unhandlichen Fahrzeuge. Dazu fahrbare Böcke zum Hochbocken der Räder oder Gruben, um die Fahrzeuge von unten zu untersuchen. Über jedem Platz Stromzufuhr über Schienen, an jedem Platz Strom, Druckluft, Treibstoff und was ein Fahrzeug noch so braucht. An den Außenwänden wändeweise Schränke, alle sorgfältig beschriftet, mit Werkzeugen, Ersatzteilen, Zeichnungen, Anweisungen. Zwischendrin fahrbare Leitern, Böcke, Trittleitern, fahrbare Werkbänke. In einer Ecke der Halle sind Büros, ein Besprechungsraum und eine kleine Cafeteria eingebaut. Die sind aber wirklich nur eingebaut, das Wichtigste sind die Wartungsplätze für die Fahrzeuge.
Anmerkung: Da die bloggende Dolmetscherin der Meinung ist (es muß ja immer jemand anders schuld sein!), sie sei für Technik nur in der Theorie zuständig, hat sie natürlich das Kabel zu Hause liegen lassen, mit dem sie die Fotos von der Kamera auf den Laptop übertragen kann. Die Fotos dieses Dolmetscheinsatzes werden nachgereicht.
Wer ist eine halbe Stunde zu früh am Treffpunkt? Natürlich die Dolmetscherin. Zwanzig Minuten vorher kommt der deutsche Techniker. Wir müssen warten, denn wir wissen nicht, wohin.
Nach zwei Bechern scheußlichen Instantkaffees aus dem Automaten kommt zwei Minuten nach acht, als die Veranstaltung eigentlich schon im Gange sein sollte, ein freundlicher Schweizer und sucht uns, denn schließlich warten sie schon. Das stellt sich als übertrieben heraus, denn ungefähr die Hälfte der Leute fehlt noch, darunter der Schweizer Projektleiter, der zur Einführung sprechen soll. Nach der Feststellung, es sei schließlich Montagmorgen (bezogen auf die Staus in der Stadt), warten wir weiter. Um 8.20 Uhr sind wir vollzählig, fünf Minuten später geht es los.
Merksatz 1: Schweizer lieben Papier. Folien, Vorträge, Handbücher, Anleitungen und Merkblätter sind ausgedruckt und werden verteilt. Das läuft am ersten Tag noch nicht so geordnet ab, weil einige Dokumente noch kurzfristig geändert wurden, geändert werden müssen oder irgendwie noch nicht fertig sind. Am Nachmittag des 2. Tages hat sich das aber alles eingespielt. Na ja, fast alles, das zentrale Dokument wird im Laufe der ersten drei Tage ungefähr 4 Mal geändert. Ich erfahre vom deutschen Techniker, daß dieses Dokument im Laufe der vorherigen Montage bereits mehrere Male geändert und ungefähr zwei Mal neu geschrieben wurde.
Was fertig ist, ist die Tagesordnung, die als erstes vorgestellt wird.
Dann hält der Projektleiter seinen Einführungsvortrag und verabschiedet sich bis zum nächsten Morgen.
Auftritt Dolmetscherin: Das ist nicht so einfach, in einer Fremdsprache einen Vortrag so abzulesen, daß er nicht abgelesen klingt, gleichzeitig die Folien auf dem Laptop weiterzuschalten und mit dem Mauszeiger auf den Folien die wichtigen Punkte zu zeigen. Ich gebe ja zu, am ersten Tag war mein Vortragsstil noch recht erratisch etwas gewöhnungsbedürftig ausbaufähig. Nach wenigen Sekunden Stillstand verschwindet der Mauszeiger, und beim Bewegen der Maus, damit er wieder angezeigt wird, habe ich es jedesmal geschafft, auf die letzte oder vorhergehende Folie zu springen. Schuld sind aber immer die anderen, denn der angeforderte Laser-Pointer oder zumindest Zeigestab wurde erst am zweiten Tag gefunden. Leichtes Stottern und Verhaspeln war ebenfalls festzustellen. Allerdings habe ich mir auf meinem Konzept auch immer markiert, wenn der (von einem Techniker der deutschen Auftraggeber als Erläuterung zu den Folien erstellte Text, also eine Schreibe, keine Rede) beim Vortrag zu unhandlich war, gekürzt werden muß oder die Zuhörer irgendwie gar nicht interessiert. Auch die Zwischenfragen habe ich notiert, genauso die Anmerkungen der Fachleute, um sie für die nächsten Tage einzubauen. Nach einer dreiviertel Stunde ist es geschafft.
Merksatz 2: Schweizer lieben Pausen.
In der Frühstückspause gibt es Croissants und Kaffee oder Tee. Die Pause ist heilig, das Ende „tendenziell offen“.
Nach der Pause die nächste Überraschung. Auf die Aufforderung „Dann tragen Sie mal vor“ muß Dolmetscherin feststellen, daß sie das nicht kann und eigentlich erwartet, daß ein Deutscher etwas über das Signalauswertungsprogramm erzählt, was sie dann dolmetscht. Von deutscher Seite was das eindeutig anders vorgesehen, wurde aber nicht kommuniziert. Auf Schweizer Seite hält dann ein Praktiker den Vortrag und zeigt das Programm anhand des Demo-Koffers.
<Anmerkung der Dolmetscherin: Heute war der dritte Tag, und ich werde den Vortrag wohl morgen alleine halten oder zumindest halten können.>
Es folgt die Mittagspause (siehe Merksatz 2). Gemeinsames Essen in der Cafeteria ist nicht vorgesehen, aber in einer Laufentfernung von zwei Minuten gibt es Bistros und eine Bäckerei mit „Sitzcafé.
Der morgendliche Nebel hat sich verzogen, und ich kann danach wunderbar an der Rhône sitzen, die Strömung und die Wasservögel beobachten.
Nachmittags ist Praxis angesagt. Die Schweizer Monteure werden in die Fahrzeuge geschickt, um vor Ort das die Software zu laden, das Programm einmal durchlaufen zu lassen und dann die vorher eingebauten Fehler zu finden.
Nachdem die beiden Gruppen jeweils von einem fachkundigen Schweizer angeleitet werden, bin ich hauptsächlich für Rückfragen an den deutschen Fachmann zuständig. Zwischendurch ändern wir noch die Unterlagen bzw. ich prüfe die Dokumente der deutschen Seite noch mal auf sprachliche Korrektheit.
Feierabend ist um 16 Uhr.
Allerdings verbringe ich den Abend damit, an meinem Vortrag zu feilen und ein noch fehlendes Dokument zu übersetzen. Erschwert wird das Ganze nicht unerheblich dadurch, daß mein Laptop irgendwie nicht so will wie ich. Er fährt nicht hoch und hängt sich auf. Ganz zu schweigen von der W-Lan-Verbindung im Hotel! Ein Drama! Wenn der Laptop die Karte erkennt und ein Netz findet, bricht alles zusammen. Meist allerdings bricht alles zusammen, ohne daß er ein Netz findet. Das war beim letzten Mal in Genf schon genauso, und zu Hause hat alles funktioniert. Na gut, so eineinhalb Stunden habe ich auch mit solchen Problemen verbracht.
Den vernachlässigten Nachtschlaf konnte ich erst in der dritten Nacht so einigermaßen aufholen.
Dolmetschen in Genf - nicht für die UNO - für Elektrotechniker
Im Rahmen des Übersetzerinnen-Blogs ein (Nicht-ganz-live-)Ticker vom Dolmetschen in Genf im Auftrag eines kleinen Berliner Unternehmens, das weltweit führende hochspezialisierte Spezialgeräte herstellt.
Sonntag, 7. Oktober
Auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld habe ich schon heftig geflucht, weil nicht nur mein Koffer schwer war, sondern noch ein Pappkarton für den Auftraggeber mitgenommen werden mußte. Der Demo-Koffer mit den Sensoren und Auswertegeräten zum Vorführen während der theoretischen Darstellung war nicht rechtzeitig fertiggeworden, um ihn anderweitig vor Ort zu bringen.
Der Flug verlief ohne besondere Vorkommnisse, war aber voll und eng.
In Genf wähnte ich mich sofort in einer anderen Welt. Der Techniker des Auftraggebers, der mich vom Flughafen abholt, hat eine Sonnenbrille auf und ein kurzärmliges T-Shirt an. Und ich einen langärmligen Pulli und einen Mantel, den ich in Berlin auch gut brauchen konnte.
Im Hotel mußte ich mich gleich noch an die Vorbereitung bzw. Überarbeitung meines Textes machen. Die besondere Überraschung Herausforderung für die Dolmetscherin bestand darin, daß der theoretische Einführungsvortrag nicht gedolmetscht werden sollte, sondern («Das dauert doch zu lange und ist zu langweilig, das können Sie doch direkt vortragen») direkt auf Französisch erfolgen sollte.
Nach einem «Probetermin» vor einer Woche in Genf war der ursprüngliche Vortragstext stark geändert, sprich umgeschrieben worden. Auf meinen heftigen Einwand hin, ich könne ja schlecht einen französischen Vortrag über ein Produkt halten, von dem ich noch nicht mal auf Deutsch was verstehe, wurde die theoretische Einführung mit Folien und in Vortragsform ausgearbeitet.
Das Ergebnis: nur wenige Stunden Schlaf, vielleicht auch der Aufregung und der zu hohen Temperatur im Hotelzimmer und der bei offenem Fenster erheblichen Lärmkulisse die ganze Nacht durch geschuldet.
Montag,8. Oktober
Wecker und Hotel-Weckdienst beenden um 6 Uhr die Nachtruhe.
Um dreiviertel acht ist Treffen am Verkehrsdepot, also fahre ich vorsichtshalber um 7 los. Natürlich ohne Morgenkaffee, weil im Hotel erst ab 7 Frühstück serviert wird.
In der letzten Woche bekamen wir zwei Anfragen mit der Bitte zur Korrektur eines übersetzten Textes. Bei der Ansicht der Texte stellte sich schnell heraus, sie waren entweder von jemandem mit mangelhaften Kenntnissen der Zielsprache oder von einem maschinellen Übersetzungsprogramm übersetzt worden. Je ein Beispiel aus den vorgelegten Texten dokumentiert dies.
“Die Tätigkeit des Onkologen ist auf die Verlängerung des Lebens des Patienten gerichtet. Doch wenn die Patientinnen - eine Frau im perimenopausalen oder reproduktiven Alters, die Frage über den Einfluss der Behandlung auf die Qualität des Lebens aufsteht. Doch ziehen die komplizierten chirurgischen Behandlungen, die speziellen Methoden der Behandlung (die radiale Therapie und die Chemotherapie) die schweren Veränderungen in der Homöostase (Homeostasis) des Organismus.”
“Marqué au moyen une procédure de évaluation quantitative de la modification oxidative de matières proteinhaltiger d’une étude de qualités de protéine physico-chimique, du fait qu’un échantillon hétérogène avant la mesure de matériaux à faible poids moléculaire d’esturgeon est éliminé (surtout antioxydants) à l’aide d’un colonne gelchromatographic de déssalement et que les qualités antiradical des éléments contenant des protéines de l’échantillon dans un radical libre produisant du système de mesure sont déterminées, auquel cas une efficacité antiradical plus élevée correspond au degré plus élevé de la modification oxidative de l’échantillon.”
Ich will den Anfragenden keine Böswilligkeit unterstellen, sondern gehe von Navität und/oder schlechter Information der potentiellen Kunden aus. Die angeblich verklingende “Geiz ist geil”-Mentalität kann den einen oder anderen schon auf die Idee bringen, Texte zu korrigieren ist preiswerter als Texte neu zu übersetzen. Liebe Schnäppchenjäger, dies ist in manchem Fall ein Trugschluß. Einen schlecht übersetzten Text zu korrigieren erfordert mehr Aufwand, als den Text direkt zu übersetzen. Leicht nachzuvollziehen wird Folgendes sein: bei der Überarbeitung eines schlecht übersetzten Textes muß sich der Korrektor nicht nur mit dem zu korrigierenden Text auseinandersetzen, sondern auch mit dem Ausgangstext, er muß seinen Übersetzungsstil an den Stil des zu korrigierenden Textes anpassen. Der Aufwand wird also höher, und damit wird bei entsprechender realistischer Kalkulation auch das zu zahlende Entgelt höher, als wenn der Text direkt übersetzt wird. Liebe Schnäppchenjäger, maschinelle Übersetzungsprogramme können in den Händen von Experten ein Hilfsmittel sein, Aufwand mindern und kostengünstigere Leistungen generieren. In den Händen von Laien produzieren sie meist nur unverständliches Kauderwelsch, und noch was, liebe Schnäppchenjäger, ein drei-, vier-, fünf- oder x-jähriger Aufenthalt im Land der Zielsprache macht aus einem Sprachbegabten noch lange keinen guten Übersetzer. Sich in einer Sprache verständigen zu können heißt noch nicht, diese Sprache übersetzen zu können. Der Aufenthalt in einer Autowerkstatt und entsprechendes Fachsimpeln läßt die wenigsten Menschen zum begnadeten Automechaniker werden.
Gute Übersetzungen basieren auf Kenntnissen der Techniken der Translation, Terminologie und themenspezifischer Fragestellungen. Dies hat seinen Preis. Was wurde mit den obigen Texten gemacht - sie wurden neu übersetzt mit allen Konsequenzen.