Vor einigen Tagen wurde meine Aufmerksamkeit durch eine Pressemeldung auf das Unternehmen Language Weaver gelenkt. Das Unternehmen bietet ein Translation Tool auf der Basis statistischer Methoden an. Hier ein Auszug aus der Selbstdarstellung von der Webseite.
“Language Weaver verwendet statistische Methoden aus der Kryptografie und nutzt dabei Lernalgorithmen, die ausgehend von existierenden Übersetzungen lernen, automatisch zu übersetzen. Das Gelernte ist dabei immer aktuell, an die jeweilige Situation angepasst und idiomatisch, da es direkt von existierenden Humanübersetzungen abgeleitet wurde. Die Software kann an beliebige Fachgebiete oder Sprachstile angepasst werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Translation Memory-Systemen kann Language Weaver auch völlig neue Texte übersetzen, die vorher noch nie übersetzt wurden.”
Ich kenne diese Software nicht, und bevor sich der Interessent eine Demo-Version herunterladen kann, wird er gewarnt, der Einstiegspreis beginnt bei 5000$. Ein anderer Anbieter von Translation Tools hält sich bei der Angabe der Preise für seinen Language Server bedeckt, in der Literatur findet man Preisangaben von rund 4000 Euro für für den Across Language Server.
Für viele freiberufliche Übersetzer dürften dies schon erhebliche Investionskosten sein. Across bietet daher großzügig, so scheint es, für freiberufliche Übersetzer eine Personal Edition Version gratis an. Der hohe Investitionsbedarf dieser Werkzeuge ist jedoch nur ein Aspekt.
Ein anderer Aspekt ist, daß sich die Beziehung zwischen Freiberufler und Kunde in den nächsten Jahren entscheidend ändern wird. Auf der einen Seite werden große Unternehmen und Übersetzungsdiensleister stehen, mit gut ausgebildeteten Sprachdienstleistern, die die maschinellen Übersetzungsprogramme kontrollieren und letztendlich die Qualität von Übersetzungen sicherstellen, auf der anderen Seite freiberufliche Übersetzer, die nur noch Teile eines Übersetzungsprojektes bearbeiten und völlig abhängig von den Vorstellungen und Vorgaben der Auftraggeber sein werden. Dies wird sich letztendlich auch in prekären Einnahmesituationen niederschlagen. Dem freiberuflichen Übersetzer für nicht literarische Übersetzungen droht eine Prekarisierung seiner Leistung.
Wurden zu Beginn der Industrialisierung viele Handwerksberufe überflüssig, hatten die Arbeiter noch die Möglichkeit, sich zu organisieren und eine Gegenkraft zu der Macht der Unternehmen zu bilden. Der freiberufliche Übersetzer wird jedoch Einzelarbeiter bleiben, wenn er nicht Kooperationsformen mit anderen Übersetzern findet, um sich gemeinsam die Techniken anzueignen, über die große Übersetzungsdienstleister verfügen, und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Die andere Alternative ist, den Sprung zum Übersetzungsdienstleister zu wagen.