June 13, 2008

Die klügste Nacht des Jahres

Category: Dolmetschen, Übersetzung – Author: admin – 9:45 am

Wer schon immer wissen wollte, wie das geht, daß SimultandolmetscherInnen gleichzeitig hören und sprechen, und das sinnvoll in einer Fremdsprache, oder was der Computer einer ÜbersetzerIn können muß und warum ein Computer nicht alles ist, sollte am Sonnabend zur Humboldt-Universität am August-Bebel-Platz gehen.

Die Lange Nacht der Wissenschaften (Suche -> Sprach- und Literaturwissenschaft) bietet ein abwechslungsreiches Programm rund um Sprache und Literatur.

Die beste Gelegenheit für Einblicke in fremde Berufs- und Lebenswelten!

April 21, 2008

Maßanfertigung

Category: Dolmetschen – Author: regine – 9:36 pm

Einer meiner Kunden hat eine Dolmetschkabine bauen lassen.Es handelt sich um ein mittelständisches Unternehmen, das hochwertige Produkte herstellt und ein weltweites Vertriebsnetz unterhält. Einmal im Jahr findet ein Außendienstlertreffen statt, das gedolmetscht wird, weil nicht alle Teilnehmer ausreichend Deutsch verstehen.

Zweimal waren wir in einem historischen Gebäude, wo der Dolmetscherinnenplatz in einem Nebenraum war, die Verbindungsöffnung war durch eine Plexiglas-Scheibe abgetrennt.

Einmal fand die Veranstaltung in einem wirklich tollen Ambiente in einem kleinen Barockschloß statt. Der Raum allerdings war eine akustische Katastrophe, auch weil keinerlei Dolmetschtechnik bereitstand.

Dann wurde das Treffen zweimal in einem Businesshotel abgehalten, wo die Dolmetscherin hinter einer Trennwand platziert war, allerdings mit Sichtkontakt zum Vortragenden.

Für mich als Dolmetscherin war das wunderbar, aber in diesem Jahr wurde ein anderer Veranstaltungsort gewählt.Wieder ein historisches Ambiente, was ich sehr schätze, und dieses Mal hat der Kunde sogar eine Dolmetschkabine bauen lassen.

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Ich glaube, das ist nach einer professionellen, fest eingebauten Kabine das zweitbeste, was sich eine Dolmetscherin nur wünschen kann.

Der Kunde wollte mich vor allen äußeren Störungen schützen, ich war eher besorgt, daß die Zuhörer mich nicht direkt hören können.

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Die Dolmetschkabine war nicht ganz schalldicht, aber wir haben uns bemüht, dem vor Ort noch abzuhelfen. Auch wenn die Laken (Leihgabe des Hotels) nicht sehr professionell wirken, sie haben auf jeden Fall den Schall gedämpft und für mich eine angenehmere Sprechsituation geschaffen. Zum Glück ist die Konstruktion modular aufgebaut, so daß für das nächste Jahr einfach ein Dach oder Deckel nachgerüstet werden kann.

Hätte man mich vorher gefragt, ich hätte mir keine durchgehende Frontscheibe gewünscht (ja, ich gehöre zu den Dolmetscherinnen, die sich bei einem längeren Einsatz in der Kabine die Schuhe ausziehen und am liebsten bequem auf dem Stuhl hängen). Auch wäre mir farbloses Glas lieber gewesen als eine Rauchglasscheibe, aber die Präsentationen werden ja auf dem Laptop eingespielt, also kein Problem.

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Alles in allem ein Kunde, der sich wirklich Gedanken macht. Auch in anderer Hinsicht ein vorbildlicher Kunde, aber das fällt unter das Thema „Vorbereitung“.

Ja, das Foto ist gestellt, aber die anderen waren unscharf.

Das Bild ist gestellt, aber die anderen waren alle unscharf.

Simultandolmetschen - Zwischenbemerkung

Category: Dolmetschen – Author: regine – 9:14 pm

Beinahe hätte ich vergessen, was ich noch anmerken wollte.

Im Dolmetschfilm, der mich zu einer Reihe von Posts zum Dolmetschen veranlaßt hat, waren einmal die Dolmetschkabinen auf der grünen Wiese aufgebaut. Bei einem Staatsbesuch fand die Pressekonferenz im Garten oder eher Park einer Residenz (wenn ich mich recht erinnere) statt. Ich glaube, so eine Umgebung wünscht sich jede Dolmetscherin.

Was ich auch nicht wußte oder worüber ich mir noch nie Gedanken gemacht habe: bei den Nürberger Prozessen saßen die Dolmetscher einfach nur hinter Glas-Trennwänden, aber es war meines Wissens auch das erste Mal, daß in großem Stil simultan gedolmetscht wurde.

April 9, 2008

„Die Kaninchen in die Kabinchen“

Category: Dolmetschen – Author: regine – 4:41 pm

So haben wir in Germersheim die Simultandolmetschsituation beschrieben.

Beim Simultandolmetschen sprechen Redner und Dolmetscherin gleichzeitig.
Ganz wichtig ist daher die akustische Abschottung der Dolmetscherin – gegen Außengeräusche und „zum Schutz“ der Zuhörer.
Je lauter die Nebengeräusche oder der Redner, desto lauter spricht die Dolmetscherin. Wenn der Redner die Dolmetscherin direkt hören kann, wird auch er im Gegenzug lauter sprechen, um die „Störung“ zu übertönen. Was wiederum dazu führt, daß die Dolmetscherin ihre Lautstärke und ihren Nachdruck steigert. Ebenfalls störend wirkt es, wenn Zuhörer sowohl den Redner als auch die Dolmetscherin hören können.

Für keinen Beteiligten ist das eine zufriedenstellende Lösung.

Beim Simultandolmetschen muß die Dolmetscherin in ihrer eigenen Welt leben, also akustisch von allen äußeren Einflüssen getrennt arbeiten. Nur eine schalldichte Kabine oder ein Arbeitsplatz in einem anderen Raum gewährleistet optimale Dolmetschkommunikation.
Andererseits darf die Übertragung der Dolmetscherin auch nur über Kopfhörer den Zuhörer zugänglich sein, die eine Dolmetschung brauchen oder wünschen.

Daneben braucht die Dolmetscherin natürlich auch den Sichtkontakt zum Redner und zur Präsentation auf der Leinwand. Fast niemand hält heute einen Fachvortrag ohne visuelle Unterstützung.
Als Dolmetscherin muß ich den Redner deutlich und störungsfrei verstehen und zu jeder Zeit die Präsentation verfolgen können.

April 7, 2008

“Ich hör nix mehr”

Category: Dolmetschen – Author: regine – 11:53 am

Der Dolmetscherfilm letzte Woche war nicht neu, einen Teil davon hatte ich auch schon gesehen. Er ist aber der Auslöser dafür, daß ich einige Beiträge über das Dolmetschen schreibe. Teils allgemeiner Natur, teils einfach meine persönlichen Eindrücke bei verschiedenen Dolmetscheinsätzen.

Der Titelsatz beschreibt das größte Problem aller Dolmetscherinnen. Was frau nicht versteht, kann sie auch nicht dolmetschen.

Viele Auftraggeber sind sich dessen nicht ausreichend bewußt: Auch die beste Dolmetscherin kann nur das dolmetschen, was sie versteht, und nur so gut, wie sie es versteht. Wenn die Dolmetscherin das Gesprochene deutlich hört, ohne Anstrengung oder störende Nebengeräusche, dann wird das Dolmetschen einfacher, weniger anstrengend und damit auch besser.

In dieser Hinsicht ist gerade das Flüsterdolmetschen recht schwierig, wie im Film auch deutlich wurde. Redner und Zuhörerin mit Dolmetscher an den Schmalseiten eines langen Tisches, kein Mikrophon - solche Arbeitsbedingungen sind alles andere als ideal. Dann wurde in schnellem Tempo ein Text verlesen. Dieser Text wurde sicherlich vorher genau ausformuliert, immer wieder überarbeitet, bis die beabsichtigte Aussage optimal dargestellt war. Schade, wenn dann der Dolmetscher mit akustischen Problemen kämpfen muß.

Ich ziehe meinen Hut vor allen Dolmetscherinnen, die unter solchen Bedingungen gute Arbeit leisten. Ich persönlich mag diese Art des Dolmetschens nicht besonders, einfach, weil die Umgebungsbedingungen nicht optimal sind.

Ich sitze lieber in einer Kabine.

April 1, 2008

Fernsehtip

Category: Dolmetschen – Author: regine – 2:18 pm

Heute um 20.15 Uhr auf einsfestival:

“Die Flüsterer. Dolmetscher für Europa”

February 1, 2008

Dolmetscherischer Kurzauftritt in der Fotografenszene

Category: Dolmetschen – Author: admin – 4:49 pm

Nachtrag aus dem November:

Ich hatte einen kurzen Dolmetscheinsatz auf der Fotobild-Berlin <http://www.fotobild-berlin.de/>, einer internationalen Messe der Kunstfotografie.

Eine Fotografin hatte mich um Unterstützung beim Gespräch mit einer New Yorker Galeristin gebeten.

Es ist zwar nur eine kleine Messe, wenn man die Zahl der ausstellenden KünstlerInnen und die Ausstellungsfläche betrachtet, für internationale Kontakte wohl aber unschlagbar.

 

Herrscht auf der Ausstellungsfläche eher Beschaulichkeit, gleicht der Raum für das Viewing, also das Gespräch zwischen FotografInnen und internationalen Fachleuten, einem Bienenstock. Auf dem Flur und im Vorraum Wartende, allein und in Grüppchen, meist mit schwarzen Mappen unter dem Arm. Englisch herrscht vor http://jump4loves.com/russian-mail-order-bride/.

Im Raum selbst sind kleine Tische recht eng gestellt, an jedem Tisch zwei Stühle, alle besetzt. Dazwischen laufen “Offizielle” umher. Alle 20 Minuten hebt großes Gewimmel an – Schichtwechsel. Die Viewer und Viewerinnen bleiben sitzen, die FotografInnen wechseln an einen anderen Tisch oder verlassen den Raum, neue rücken nach. Ein bißchen wie Speed-Dating.

 

Das Dolmetschen selbst war problemlos, aber ich beneide die Künstlerin nicht, die in 20 Minuten ihre Werke möglichst umfassend und überzeugend darstellen muß.

November 20, 2007

Dolmetschtechnik beim Simultandolmetschen

Category: Dolmetschen – Author: admin – 2:23 pm

Kleinere und größere Probleme beim Dolmetschen

Beim Simultandolmetschen erfolgen Rede und Dolmetschen praktisch gleichzeitig. Die Dolmetscherin hört die Rede, wartet so lange, bis ein Sinnzusammenhang im Satz erkennbar ist und beginnt dann mit dem Dolmetschen. Die Zuhörer hören die Dolmetschung praktisch gleichzeitig mit dem Redner. Was sich für sie wie ein Automatismus anhört, bedarf höchster Konzentration. Beim professionellen Simultandolmetschen wechseln sich daher zwei bis drei DolmetscherInnen alle 20, höchstens 30 Minuten ab, weil auch geübte Dolmetscherinnen die erforderliche Konzentration nicht länger aufbringen können.
Daher ist verständlich, daß SimultandolmetscherInnen ein optimales technisches Umfeld für ihre Arbeit brauchen.
Der Redner wird auf die Kopfhörer der Dolmetscherin übertragen, sie spricht gleichzeitig in ihr Mikrofon, von dem aus die Verdolmetschung zu den Zuhörern übertragen wird.
Es ist klar, daß Nebengeräusche aller Art da stören. Wenn sich noch dazu Saallautsprecher direkt vor der Dolmetscherin befindet, ist Arbeiten kaum noch möglich, weil die Stimme im Kopfhörer übertönt wird. Andererseits stört auch das Sprechen der Dolmetscherin die Zuhörer in der Nähe, die vielleicht dem Redner folgen wollen und keine Dolmetschung brauchen. Und je mehr Nebengeräusche, desto lauter spricht die Dolmetscherin, was wiederum stört, so daß der Pegel der Nebengeräusche steigt.
Dies ist nur zu verhindern, wenn die Dolmetscherin gut „schallisoliert“ wird, am besten in einer Dolmetschkabine. Gerade bei kleineren Veranstaltungen verzichten die Veranstalter gern auf diesen Aufwand und arbeiten mit einer Personenführungsanlage (Mikrofon und Kopfhörer für die Dolmetscherin), drahtlose Kopfhörer für die Zuhörer. Dies ist durchaus möglich, wenn die Dolmetscherin räumlich so weit von den Zuhörern und vor allem vom Redner entfernt ist, daß keine Störung eintritt, am besten „um die Ecke“ oder in einem anderen Raum. Dann allerdings muß die Dolmetscherin den Redner über Monitor sehen können und natürlich auch eventuelle Filme oder Präsentationen live mitbekommen.
Ob dieser Aufwand einschließlich des Abstimmens der Saalanlage auf die Personenführungsanlage allerdings erheblich geringer ist als das Aufstellen einer Kabine, sei dahingestellt.

In letzter Zeit wurde ich zwei Mal zum Simultandolmetschen gebucht. Einmal waren die Bedingungen sehr gut, das andere Mal eher schwierig, weil noch dazu der Tisch der Dolmetscherin der beste Platz war, um den jeweiligen Redner und das Podium zu fotografieren.

Beim nächsten geplanten Dolmetscheinsatz im Januar wurde der Wunsch nach einem anderen Tagungsort laut. Auf Nachfrage stellte sich heraus, daß die Dolmetscherin das Problem ist. Die Teilnehmerrunde wird größer, die hinteren Reihen rücken näher an die Dolmetscherin heran, die bisher hinter einer Stellwand gesessen hatte und Blick auf den Redner und die Leinwand hatte. Die einfachste techische Lösung besteht wohl darin, die Dolmetscherin „um die Ecke zu bringen“, in diesem Fall in einer „Ausbuchtung“ hinten im Raum. Wenn dies als akustische Trennung nicht ausreicht, bleibt doch nur eine Dolmetschkabine. Auf jeden Fall müssen aber ein Monitor mit dem Redner (Problem: mehrere Redner auf dem Podium, jeder mit eigenem Mikrofon) und ein Laptop mit den Präsentationen in die Technik eingebunden werden.

Gute Darstellung bei Wikipedia <http://de.wikipedia.org/wiki/Simultandolmetschen>

November 11, 2007

Dolmetschen in Berlin

Category: Dolmetschen – Author: admin – 11:48 am

Ein anderer Dolmetscheinsatz: Simultandolmetschen einer Rede und Dolmetschen von Interviews Deutsch - Englisch anläßlich der Vorstellung der Umweltuhr eines großen justcougars.com Reifenherstellers.

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Arbeitsplatz der Dolmetscherin

Es wird eine neue Generation umweltfreundlicher Autoreifen vorgestellt, von denen in der Fertigung, im Gebrauch und beim Recycling geringere Umweltbelastungen ausgehen. Die Umweltuhr zeigt den verringerten Kohlendioxid-Ausstoß bei Verwendung dieser Reifen an.

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Meine Anwesenheit wurde am 16 Uhr gewünscht. Die Technik war bereits aufgebaut und funktionierte einwandfrei. Auch der Dolmetscherinnen-Arbeitsplatz war schnell aufgebaut.
Um 16.30 Uhr habe ich die Rede bekommen, um 17 Uhr war Generalprobe. Alles kein Problem.

Am Vorabend um 21.30 Uhr war telefonisch noch ein Dolmetscher für Französisch gewünscht worden, für alle Fälle.
Wir wurden also den zuständigen Herren vorgestellt und gebeten, uns immer in der Nähe des Regiepults aufzuhalten, damit uns jeder, der Übersetzungsbedarf hätte, schnell finden könne. Was wir auch taten.

Mit Ausnahme der kurzen Rede hielt sich der Dolmetschbedarf in Grenzen, so daß der Einsatz recht früh zu Ende war.

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Presselounge

November 7, 2007

Das Ende eines zweiwöchigen Dolmetscheinsatzes

Category: Dolmetschen – Author: admin – 11:31 pm

Es wird Zeit, über zwei Wochen nach der Rückkehr aus Genf, einen abschließenden Artikel zu schreiben.

Vom Dolmetschen ist nichts Wesentliches mehr zu berichten.
Es passierte nur, was immer bei Projekten passiert: An den letzten beiden Tagen müssen von beiden Seiten noch jede Menge Fragen beklärt werden. Endlich Gelegenheit, mal etwas mehr zu dolmetschen. Aber auch dieser Anflug von Aktivität war schnell vorbei.

Sonst gibt es noch zu berichten:
Ein älterer Schweizer Monteur mit österreichischer Mutter und französischem Vater hat sich gefreut, daß er mit mir Deutsch sprechen konnte.
Auch sonst war zu bemerken, daß alle Leute voller Freude ihre Fremdsprachenkenntnisse hervorkramen. Zitat, als ich während der Pause einen Anruf auf dem Handy bekam: „téléphoner à Schatzi“. Selbst Russisch wurde während der Frühstückspause ausgetestet. Dies gilt meiner Beobachtung nach allerdings in erster Linie für ältere Leute.
Bei den Jüngeren, bei denen man ja geneigt ist, Englisch für selbstverständlich zu halten, war auffällig, daß sie auch mit den englischen Begriffen des Computerprogramms nichts anzufangen wußten, mit Begriffen wie „Edit“ und „Programming“.

Nachdem schon monatelang deutsche Techniker zur Installation und zu ersten Schulungen in Genf waren und die Kommunikation meist auf Englisch gelaufen war, hatte sich bereits eine Sondersprache herausgebildet. Zitat zum Zurückgeben geliehenen Werkzeugs: „Ça, c’est zuruck Freitag, next Freitag“