April 25, 2008
Trotz der leichten Verfügbarkeit von Informationen im Internet verlasse ich mich immer noch am liebsten auf Gedrucktes. Nicht zuletzt deswegen, weil Wörtersammlungen im Internet selten so sorgfältig recherchiert sind wie etablierte Wörterbücher in Papierform.

Schreibtisch, repräsentativ
Ganz wichtig: eigene Wörtersammlungen und Terminologielisten von Kunden.

Karteikarten von vor 50 Jahren, immer noch in Gebrauch
April 24, 2008
Die Aussage “Das ist jedesmal wie eine Prüfung” kann ich nur unterschreiben.
Ich bin vor jedem Dolmetscheinsatz sehr nervös, auch wenn es eigentlich nur eine “kleine” Sache ist, z. B. eine Zeugenbefragung vor Gericht oder eine Vernehmung bei der Polizei. Dabei werden Personen gedolmetscht, die in normaler Alltagssprache Abläufe oder Geschehnisse wiedergeben. Die Dolmetscherin kann rückfragen, klären, erläutern.
Etwas anderes sind ausgearbeitete Vorträge. Hier wird lange am Text gefeilt, damit jedes Wort sitzt. Hier ist Präzision gefragt, die Wirkung des Redners muß im ersten und einzigen Anlauf erhalten bleiben.
Ich bin jedesmal vorher nervös, sogar extrem nervös. Ich weiß aber auch, daß die Nervosität wie weggeblasen ist, sobald ich die ersten Worte sage.
Eine ausführliche Vorbereitung hilft mir auf jeden Fall dabei, ruhiger in einen Termin zu gehen. Egal, wie aufwendig oder hoch aufgehängt er ist.
Fachkenntnisse sind auch beim Dolmetschen entscheidend. Es geht ganz einfach darum: Wenn frau sich auf einem Gebiet auskennt oder zumindest Ahnung hat, wird sie nicht so leicht aus der Fassung gebracht durch das, was der Redner gerade erzählt.
Wieder eine Germersheimer Weisheit: Dolmetscherinnen brauchen eine „solide Halbbildung“. Sie müssen also von allem oder möglichst vielem schon mal gehört haben. Detailkenntnisse sind besser, aber Hauptsache, frau kennt die Zusammenhänge. Und weiß, in welche Richtung der Redner argumentiert. Das gibt Sicherheit.
Von Kundenseite trifft frau dabei nicht immer auf Verständnis. Häufig wird als gegeben angenommen, daß eine Dolmetscherin in ihren Sprachen einfach alles kann und weiß.
Dem kann frau nur entgegenhalten, daß wohl niemand auch nur in seiner Muttersprache alle Fachgebiete beherrscht oder die Fachbegriffe erläutern, korrekt verwenden oder auch nur verstehen kann.
Häufige Antworten:
„Das ist doch nur das Grußwort.“
„Das ist alles ganz allgemein.“
„Das ist überhaupt nicht fachlich.“
„Die Rede ist noch nicht fertig.“
oder auch:
„Der Redner ist so hochkarätig, den können wir nicht nach seinem Manuskript fragen.“
Ich meine, jeder Redner hat das Recht, optimal übertragen zu werden. Gewissenhafte, professionelle Vorbereitung der Dolmetscherinnen ist dafür die beste Gewähr.
April 14, 2008
Ich dolmetsche zwar nicht so viel simultan, aber einige Arbeitsplätze habe ich fotographisch dokumentiert.
Dieser Arbeitsplatz war in einem anderen Raum, aber über Monitor war der Kontakt zum Redner gesichert.
Es ist anzumerken, daß dieser Aufwand für eine Dolmetschdauer von nur 15 Minuten getrieben wurde. Es handelte sich um ein internationales Unternehmen, das sich der Bedeutung der mehrsprachigen Kommunikation in hohem Maße bewußt ist.

Dagegen litt dieser Arbeitsplatz leider darunter, daß sich die Dolmetscherin und die Redner wegen der fehlenden Abtrennung akustisch in die Quere gekommen sind. Das “Stativ” auf der linken Seite war der Ständer eines Saallautsprechers.
Den Arbeitsplatz habe ich extra mit einer Decke (in diesem Fall einem großen Schultertuch) versehen, weil ich dazu neige, beim Dolmetschen mit allem zu spielen, was ich mir hinlege, alles auf dem Tisch zu verrücken oder meine Kugelschreiber zu zerlegen. Die Decke soll nur die Geräusche dämpfen.