Heute nur ein kurzer Dolmetschbericht.
Zum ersten Mal war ich so richtig mit meinem Vortrag zufrieden. Anhand der Notizen fast frei vorgetragen bzw. anhand der Folien erläutert, dabei alles weggelassen, was vorher nicht so interessant war, dafür die praxisrelevanten Teile hervorgehoben und vieles ergänzt, was an den vorherigen Tagen gefragt worden war. Man merkt ja anhand der Reaktion der Zuhörer recht deutlich, was interessiert, was ankommt und was eher langweilt.
Nachmittags bei der Praxisschulung habe ich eine Gruppe allein betreut, allerdings hat das nicht ganz funktioniert. Es ist schwierig, wenn gestandene Elektrotechniker mit Hilfe eines Computers an einem elektrotechnischen/elektronischen Problem arbeiten und sich dabei vollkommen verrennen, sprich, mit einem Programmmodul Werte prüfen möchten, die dieses Modul überhaupt nicht messen kann. Nur ungern nehmen manche dann den Rat oder die Kritik der Dolmetscherin an. Da konnte nur der Chefmonteur helfen. Auf ihn haben sie dann widerstrebend gehört, sich aber durch die Praxis überzeugen lassen.
Gern hört Dolmetscherin allerdings Lob wie das eines höherrangigen Reparaturmenschen, daß sie ja so viel von der Technik verstehe. Am siebenten Tag Schulung ist das allerdings kein Wunder, aber ich habe die Bemerkung zum Anlaß genommen, auf die Schwierigkeiten des Übersetzens und Dolmetschens hinzuweisen, daß es eben nicht ausreicht (oder nur selten gutgehen kann), nur das Vokabular zu kennen, daß man einfach auch wissen muß, wovon man spricht.
Den Rest des Tages habe ich touristisch verbracht, weil ich da noch nicht wußte, daß ein eiliger Auftrag ansteht. Aber das «Berliner Büro» hat alles im Griff. Vielleicht bleibe ich ja noch länger hier!
(Anmerkung aus dem Berliner Büro: Dies hier entspricht nicht der professionell definierten Rolle des Dolmetschers, diese Rolle ist durch völlige Neutralität gegenüber der Kommunikation der zu Dolmetschenden und ihren Handlungen geprägt. Die Praxis erfordert oft anderes, und der Kunde wäre hier bei Rückzug auf Neutralität gar nicht begeistert. Es gibt auch andere Fälle, dort wird jede Klärung eines Sachverhaltes durch den Dolmetscher nicht gerne gesehen, z. B. beim Notariatsdolmetschen.)