Dolmetschen in Genf - nicht für die UNO - für Elektrotechniker
Im Rahmen des Übersetzerinnen-Blogs ein (Nicht-ganz-live-)Ticker vom Dolmetschen in Genf im Auftrag eines kleinen Berliner Unternehmens, das weltweit führende hochspezialisierte Spezialgeräte herstellt.
Sonntag, 7. Oktober
Auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld habe ich schon heftig geflucht, weil nicht nur mein Koffer schwer war, sondern noch ein Pappkarton für den Auftraggeber mitgenommen werden mußte. Der Demo-Koffer mit den Sensoren und Auswertegeräten zum Vorführen während der theoretischen Darstellung war nicht rechtzeitig fertiggeworden, um ihn anderweitig vor Ort zu bringen.
Der Flug verlief ohne besondere Vorkommnisse, war aber voll und eng.
In Genf wähnte ich mich sofort in einer anderen Welt. Der Techniker des Auftraggebers, der mich vom Flughafen abholt, hat eine Sonnenbrille auf und ein kurzärmliges T-Shirt an. Und ich einen langärmligen Pulli und einen Mantel, den ich in Berlin auch gut brauchen konnte.
Im Hotel mußte ich mich gleich noch an die Vorbereitung bzw. Überarbeitung meines Textes machen. Die besondere Überraschung Herausforderung für die Dolmetscherin bestand darin, daß der theoretische Einführungsvortrag nicht gedolmetscht werden sollte, sondern («Das dauert doch zu lange und ist zu langweilig, das können Sie doch direkt vortragen») direkt auf Französisch erfolgen sollte.
Nach einem «Probetermin» vor einer Woche in Genf war der ursprüngliche Vortragstext stark geändert, sprich umgeschrieben worden. Auf meinen heftigen Einwand hin, ich könne ja schlecht einen französischen Vortrag über ein Produkt halten, von dem ich noch nicht mal auf Deutsch was verstehe, wurde die theoretische Einführung mit Folien und in Vortragsform ausgearbeitet.
Das Ergebnis: nur wenige Stunden Schlaf, vielleicht auch der Aufregung und der zu hohen Temperatur im Hotelzimmer und der bei offenem Fenster erheblichen Lärmkulisse die ganze Nacht durch geschuldet.
Montag,8. Oktober
Wecker und Hotel-Weckdienst beenden um 6 Uhr die Nachtruhe.
Um dreiviertel acht ist Treffen am Verkehrsdepot, also fahre ich vorsichtshalber um 7 los. Natürlich ohne Morgenkaffee, weil im Hotel erst ab 7 Frühstück serviert wird.
Fortsetzung folgt.